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Fotobox selbst gebaut

Wie meine Fotobox entstanden ist, könnt ihr auf dieser Seite lesen. Ich versuche den kompletten Bau so gut es geht zu beschreiben, damit hinterher keine Fragen unbeantwortet bleiben.

Was soll das Ganze ?

Für den Anfang, eine Fotobox (im Englischen Photobooth) ist ein Fotoapparat mit dem man ohne großen Aufwand Fotos von sich oder anderen machen kann. Das Ganze erfreut sich bei Geburtstagen und anderen Feiern großer Beliebtheit. Je nach Erbauer werden die Fotos auf unterschiedliche Art und Weise angezeigt. Die einen stellen die Fotos später ins Internet, andere direkt auf einem Monitor dar. Wiederum andere können die Fotos auf einem Monitor darstellen und auch direkt ausdrucken. Das Ganze funktioniert also ähnlich wie ein Fotobox am Bahnhof. Nur in schön und nicht vollgepinkelt.

Die Ausgangslage

Meine Fotobox soll ein Gehäuse bekommen, damit keiner an der Kamera rumfummelt. Die gemachten Fotos sollen auf einem Monitor angezeigt werden, später kommen dann die Fotos dann in eine passwortgeschütze Online-Galerie. Die Box soll für Elektronik Probleme durch Wärme möglichst nicht anfällig sein und so einfach wie möglich gehalten sein. Eine Auslösung der Kamera erfolgt über einen Funkauslöser. Gut aussehen soll es auch noch und dabei auch preiswert sein.

Meine Lösungsansätze

  • Das Gehäuse wird aus GFK gebildet und in Ballonform gebracht
  • Als Kamera kommt eine Canon EOS 600D zum Einsatz
  • Als Elektronik dient ein Raspberry Pi 3
  • Netzteile liegen außerhalb des Gehäuses im Freien
  • Licht kommt von einem externen Studioblitz
  • Als Monitor dient ein 23″ Computerbildschirm

Das Gehäuse

Also das mit dem Gehäuse ist eigentlich ganz einfach. Man braucht:

  • 2m² Glasfasergewebe
  • Polyesterharz
  • 1 Ballon
  • Kleister
  • Boxen-Stativ-Aufnahmehülse
  • Jede Menge Zeitungen
  • Viel Geduld
  • Spachtelmasse für GFK
  • Schleifpapier
  • Noch mehr Geduld
  • Grundierung
  • Farbe

Zuerst pustet man den Ballon auf bis dieser in seiner Größe ungefähr der gewünschten späteren Ballonform entspricht. Dann geht’s mit dem Kleister und der Zeitung weiter. Die Zeitung wird in Streifen geschnitten und dann jeder Streifen DÜNN mit Kleister bestrichen. Diese Streifen werden dann auf den Ballon gelegt und zwar so, dass sie keine Falten werfen. Nach jeder Lage muss der Ballon trocknen. Lässt man den Ballon nicht trocknen wirft er später richtig fiese Blasen. Man kann den Trockenvorgang durchaus mit einem Fön beschleunigen, da passiert nix. Die Zeitungspapierschicht muss so dick sein, dass sie für den späteren GFK Ballon eine tragfähige Unterlage (Positivform) bildet. Also im Zweifel ruhig eine Schicht mehr anbringen.

Wenn die Papierschicht trocken und tragfähig ist, kommt der Ballon raus. Dazu einfach die Luft raus lassen und alles was an Gummi noch irgendwo festklebt, abfummeln.

Ballon

Dann geht es mit dem GFK weiter (Arbeitsschutz beachten!). Im Prinzip geht es genauso weiter wie mit dem Papier, nur mit gerissenen GFK Fetzen. Und das so lange, bis die Schichten nach dem Trocknen tragfähig sind. Die Aufnahmehülse für das Boxenstativ kommt ebenfalls mit in die GFK Schichten und wird so gut wie möglich in die Form integriert. Am besten bohrt man vorm Einlaminieren in die Hülse noch ein Loch für die spätere Kabelführung.

Ballon

Dann kommt der spaßige Teil. Schleifen. Spachteln. Schleifen. Spachteln…. bis die Oberfläche lackierfähig ist. Wie glatt diese werden soll, entscheidet bitte jeder für sich selbst.

Nun möchte ich noch auf zwei Dinge eingehen. Erstens sind die Verarbeitungstemperaturen wichtig. Unter 18°C passiert bei dem Polyesterharz so gut wie nichts. Es härtet also weder aus noch durch. Hier muss man also entweder mit einem Fön nachhelfen oder abwarten bis die Umgebgung wärmer als 18°C ist. Das gleiche gilt für Spachtelmassen. Aber hier gilt im Gegensatz dazu, dass je wärmer die Masse wird, umso schneller härtet sie aus. Da muss man schon mal ein bisschen tricksen und bei hohen Temperaturen irgendwo im Kühlen arbeiten. Die Zweite Sache, die mir extrem aufgefallen ist, ist, dass es durchaus Unterschiede in der Verarbeitungsqualität und Härteverhalten zwischen „Baumarkt“ und „Fachhandel“ gibt. Die Spachtelmasse vom Fachhandel härtet also spürbar positiver aus, als das Zeug vom Baumarkt (auch wenn beides gleich riecht). Soll heißen, die Masse bindet auch bei hohen Temperaturen etwas langsamer und gleichmäßiger und härtet dann aber auch schneller aus. Man sollte auch darauf achten, dass die Spachtelmasse dafür geeignet ist, in sehr sehr dünnen Schichten aufgetragen zu werden. Das macht sich spätestens beim Schleifen positiv bemerkbar. Wenn ich jetzt noch sage, dass sich  mit etwas Planung (Versandkosten) im Preis beim Fachhandel sogar deutlich Geld sparen lässt……

Ballon_grundiertDamit die Kamera vorne rausgucken kann und man hinten noch dran kommt, habe ich vorne mit einer Lochsäge ein Loch gebohrt und hinten mit einer Säge einen Ausschnitt ausgesägt. Die ausgesägte Platte dient hinterher als Verschluss bzw. Klappe.

Bei der runden Form hat sich ein weicher Silikonspachtel als bestes Werkzeug erwiesen. Das Ganze sollte man bei gutem Licht und nicht zu hohen Temperaturen machen, denn bei schlechtem Licht sieht man die Löcher nicht und bei zu hohen Temperaturen ist der Spachtel so schnell hart, dass man kleinere Fehler nicht mehr ausgleichen kann. Der gespachtelte Ballon wurde dann mit der Maschine und 80-120-180 mm und dann noch mit 240mm Papier geschliffen. Das reicht aber noch nicht zum Lackieren, also ab mit dem Ding in die Badewanne und 400er Nassschleifpapier rausgeholt.

Nach einer gründlichen Reinigung mit Silikonentferner wurde der Ballon grundiert. Entschieden habe ich mich für die Ulra-Color Sprühgrundierung. Kostet die 200ml Dose 8,99€ – recht teuer – dafür ist die Grundierung auch wirklich gut zu verarbeiten. Eigentlich hätte man extra Kunststoffgrundierung nehmen müssen, aber ich habe das mal getestet und finde es hält auch so. Ich hoffe ich werde nicht eines besseren belehrt. 2 Dosen sind dafür draufgegangen bis der Ballon deckend grau geworden ist. Das Spray lässt sich meiner Meinung nach nicht nur gut verarbeiten, sondern wird auch ratz fatz trocken bzw. hart.

Der Decklack ist ein Lack aus dem gleichen Hause wie der Ultra Lack, aber einer anderen Produktlinie zugehörig. Da habe ich mich für Dupli-Color Platinum entschieden, im Farbton white green satin mat (angeblich RAL 6019). Deckt nicht ganz so gut wie der Ultra, dafür kostet er nur knapp die Hälfte (400ml, 9,99€). Die erste Schicht hat zwar ganz gut gedeckt, aber noch nicht so, dass man nur noch Grün sieht, es kommt also noch eine zweite Schicht drauf. Vorher wird natürlich noch einmal angeschliffen (600er, Nass). Als Abschluss kommt noch eine Schicht Klarlack auf das Gehäuse.

Ballon_gruen

Nochmal die Arbeitsschritte im einzelnen:

  • Unterseite Laminieren bis ca. zur Hälfte
  • Anschleifen
  • Oberseite Laminieren
  • Anschleifen
  • 3 Lagen davon herstellen
  • Anschleifen
  • Boxenflansch einsetzen und einlaminieren
  • Anschleifen
  • Oberfläche GLATT schleifen
  • Spachteln
  • Schleifen (Nass)
  • Runde Öffnung in Vorderseite bohren (Objektiv)
  • Öffnung für Kamera auf Rückseite aussägen
  • Kabeldurchführung schaffen (Loch in Hülse)
  • Grundieren
  • Anschleifen (Nass)
  • Lackieren

Die Elektronik

Also weiter mit dem nächsten, einfachen. Wie lösen die Gäste die Kamera aus ? Auch dafür gibt es eine einfache Lösung. Man nehme einen Pilzkopftaster den man von Not-Aus Schaltern oder dem Fernsehen (Buzzer) kennt und transplantiert in das innere einen Funkauslösers in den Taster. Dazu braucht man natürlich erst mal den Taster, einen Funkauslöser und ein bisschen Elektronikram. Löten sollte man dazu in Ansätzen auch können. Meinen Funkauslöser habe ich mit einem Yongnuo gebaut, die gibts aber nicht mehr bzw. nur noch Restposten. Wenn ich das Ding noch mal bauen würde, würde ich zum Beispiel diesen hier benutzen:

Funkauslöser

Im großen und ganzen ist es ganz einfach, ihr braucht einen EINFACHEN Funkauslöser für die Kamera, kein TTL oder sonstigen Schnickschnack! Der Empfänger bleibt wie er ist und den Sender nimmt man kurzerhand auseinander. Die Stromquelle habe ich durch einen Batteriehalter 2xMicro ersetzt und zwischen Stromquelle und Sender noch einen Schalter eingebaut. Dann kommt der komplizierte Teil. Ich empfehle, den Taster im Sender mit 2 oder 3 Kabel erst mal zu „verlängern“ und das ganze in Ruhe durchzumessen. Je nach Bauart können die Dinger halt nur ein Signal oder zwei Signale schicken. Bei letzterem wäre das dann halt entsprechend erst „Focus“ und dann „Aufnahme“. Und bevor man den Taster des Pilzkopftasters (Grobhandtaster) an den Sender anschließt, würde ich mehrfach testen, ob die Kamera mit dem Sender zusammen UND Ghoto2 im tethered Modus auch auslöst und das Foto auf dem Pi erscheint. Ich habe das mit mehreren Kameramodellen versucht und die Funktion war nie die gleiche. Danach habe ich den Sender mit Silikon in das Gehäuse vom Buzzer eingeklebt und darauf geachtet, alle Kabelverbindungen usw. einzubetten. Die Batterien habe ich nach dem einlegen mit Heißkleber fixiert, die sollen ja nicht rausfallen wenn der Buzzer mal durch die gegen fliegt! Die Kabellose Variante ist zwar komplexer und teurer als ein verlängerter Kabelauslöser, macht den „Photobooth“ Vorgang aber auch wesentlich freier und man bekommt meiner Meinung nach viel schönere Ergebnisse. Wenn ihr keinen Buzzer bauen wollt, könnt ihr natürlich auch nur mit einem Funkauslöser arbeiten, aber in Puncto Coolness ist der Kabellose Buzzer um längen besser. Und der kommt weniger leicht weg.

Wie geht´s weiter ?

Die Kamera wird über ein Netzteil mit Strom versorgt, dass Pi über ein USB Netzteil und die beiden Kabel zusammen mit dem HDMI Kabel zum Monitor laufen durch das Stativrohr und kommen oben bzw. unten raus. Kein lästiges Kabelgebaumel also. Die Kamera wird über den bereits beschriebenen Buzzer ausgelöst, der Empfänger dazu wird einfach mit auf die Makroschiene geschraubt, dann ist es etwas ordentlicher. Der Blitz wird ebenfalls über Funk ausgelöst, dass aber über den Hot-Shoe der Kamera. Vor dem Stativ steht der Monitor und das war es dann auch schon. Ich überlege immer noch, denn Monitor an das Stativ zu schrauben, aber da habe ich noch keine endgültige Meinung zu.

Ich hab innen noch einmal alles mit einem Rest Schwarzer Farbe gestrichen und die Klappe hinten wird durch Klettverschlüsse gehalten. Das wars auch schon. Keine 150 Stunden Arbeit….

Der Raspberry Pi ist natürlich sehr klein und in der Leistung begrenzt. Man kann also keine Höchstleistung erwarten. Aber zum Laden der JPEG´s (7-8MB im Schnitt) bei voller Auflösung der EOS 600D reicht es vollkommen aus. Geht natürlich nicht während eines Wimpernschlages und auch das Laden des Slidehow Scriptes dauert einen kleinen Moment, aber alles vollkommen ausreichend schnell. Wenn man das ganze ins Verhältnis setzt mit dem Preis von 40€ + Speicherkarte und der Größe…….

Programmierung Raspberry Pi

Also wenn ihr einen Pi habt, braucht ihr natürlich ein laufendes Betriebssystem, ich habe das mit dem hier gemacht:

https://www.raspberrypi.org/downloads/

Ihr müsst dazu mit einem Programm z.B. in Windows, dass Image (vorher runterladden) auf eine SD Karte schreiben und könnt dann das Betriebssystem vom Pi aus starten. In der Dokumentation zum Pi ist das wunderbar beschrieben, die findet ihr hier:

https://www.raspberrypi.org/documentation/installation/installing-images/windows.md

Wenn das dann läuft, muss man zunächst gphoto2 installieren, eine tolle Erklärung findet ihr zum Beispiel hier:

http://wp.blauestun.de/fotografie/installation-gphoto-raspberry-pi-nikon-usb/

Das ganze funktioniert über die Kommandozeile, am einfachsten ist es, im X-Window ein entsprechendes „Fenster“ zu öffnen. Das nennt sich übrigens LX-Terminal.

Danach empfiehlt sich, ein Update vom Pi zu machen, dass könnt ihr aber selbst googeln, so schwer ist das nicht. Keine Angst vor der Kommandozeile ?

Danach schadet sicherlich neu starten nicht und wenn ihr wieder in der grafischen Oberfläche seid, einfach den Datei-Manager aufrufen und einen Ordner „Fotobox“ anlegen. Dahin kopiert ihr die Scripte, die ihr benötigt um die Fotobox laufen zu lassen. Damit wäre auch erklärt, dass es kein Stand-Alone Programm „Fotobox“ gibt sondern das ganze mit Scripten läuft. Ihr benötigt insgesamt 3 davon. Aber auch hierfür müsst ihr keine Angst haben. Die Scripte kopiert ihr einfach in das Fotobox Verzeichnis. Und damit das auch läuft, muss das test-hook.sh in das Verzeichnis:

/home/pi/gphoto-working-directory/gphoto2-2.5.10/gphoto2/

sonst läuft das nicht! Da bin ich fast dran verzweifelt. Denn da gilt wider, man kann mit Google nur Lösungen finden, wenn man weiss was man sucht. Und ich wusste nicht was ich suchen musste als das am Anfang alles nicht lief. Öffnet einfach mal die Dateien, da werdet ihr sehend das alles relativ einfach ist, ich habe das auch nur zusammen kopiert. In den Scripten könnt ihr dann auch Dateinamen usw. ändern. Der folgende Downloadlink zeigt auf meine Website, also nichts externes.

DOWNLOAD SKRIPTE

Es ist also so, dass das Script „start_box.sh“ zuerst ein Hintergrundbild lädt und dann über das test-hook.sh mit gphoto2 auf eine Aktion der Kamera wartet, dass Bild dann „Capture tethered“ runterlädt und über den Bildbetrachter den Angegebenen Ordner anzeigt. Die Slideshow.sh fängt dann nach jemden Foto eine neue Slideshow an und beendet vorher alle noch laufenden Slideshows.

In der Datei start_box.sh sind auch die Dateinamen definiert. Im Moment lauten sie: Fotobox-Jahr-Monat-Tag-Stunde-Minute-Sekunde.jpg. Wenn ihr den Namen ändern wollt, könnt ihr das ganz einfach indem ihr hinter –filename=“Foto….“ anstelle von Fotobox was anderes hinschreibt. Ich warne jedoch davor Jahr-Monat usw. zu ändern, dass gibt nur Probleme mit doppelten und somit nicht mit eindeutigen Dateinamen (Stichwort doppelte Dateien werden überschrieben).

Die Datei Hinter.png ist bei mir nur ein schwarzes Bild, dass benötigt wird um einen schwarzen Hintergrund anzuzeigen. Wenn ihr lieber was andere nehmen wollt, einfach den Dateinamen in der Datei start_box.sh austauschen oder eine Datei mit gleichem Namen im Fotobox Verzeichnis abspeichern.

So, dass in aller Kürze zum Ablauf, wer fragen dazu hat, einfach fragen. Wenn man von der grünen Wiese kommt ist das nicht so einfach aber an sich gar kein Problem.

Da ich kein Programmier-Profi bin und Linux bei mir auch das ein oder andere mal Kopfzerbrechen bereitet, habe ich sehr viel gegoogelt und gelesen, meine Scripte basieren unter anderem auf einer stark vereinfachten Version von dem Bau-Bericht den ihr hier findet: LINK

Zusammenbau und Funktionstest

Der Zusammenbau ist relativ einfach gewesen. Ich habe mir ein Stück Aluminiumrohr besorgt auf das ich einen Makroschlitten geklebt habe. Dann kann ich später die Kamera noch so fahren, dass das Objetiv je nach Brennweite immer bündig im Ballon sitzt. Für die Kabeldurchführung ist im Rohr noch ein Langlang und dann ist der Rest sehr einfach. Einfach alles zusammenstecken und dann ist man fertig.

Pattex

Zusammen1

Zusammen2

DSC_0061-01

Zwischenstand

 

Erster_Aufbau

Photobooth

Werkzeugtipps:

Bosch Glue Pen, klein, leicht, super schnell Heiß, kommt gut in kleine Ecken und hilft ennorm um Kabel u.ä. zu fixieren.